Eindrücke und Erlebnisse von der WKO Zukunftsreise in die USA, Texas, an dem ich gemeinsam mit 80 Delegierten teilnahm. Vor 2 Jahren wurde diese Reise wegen Corona abgebrochen – nun ziemlich genau 2 Jahre später, möchten wir das Programm durchziehen, um Eindrücke und Learnings für uns, unsere Partner und unsere Kunden mitzunehmen.

Um ehrlich zu sein, mich freut es selten, fortzufahren. Aber wenn ich dann unterwegs bin, dann bin ich ich. Oder wie andere sagen:

Traveling is exhausting but always worth it.

Ich brach gemeinsam mit einer sehr guten Freundin von Wien in die USA auf. Nach knapp 10 Stunden sind wir in Chicago, IL zwischengelandet. Irgendwo in diesen Hallen wurde angeblich die Laufszene von „Kevin – Allein zu Haus“ gedreht. Wir hatten zwar keinen Stress, aber ich konnte förmlich spüren, wie es damals zu dieser Zeit am Flughafen zugegangen sein musste – wie sie da vor 32 Jahren durchgelaufen sind … ach wie vermisse ich diese alten, einfachen und unbeschwerten Zeiten, als wir Kinder die VHS zu diesem Film bei Oma regelmäßig abspielten.

Weiter ging es nach Austin, TX – Heimatort des gleichnamigen WWF/E-Wrestlers Stone Cold Steve Austin – einer der ganz großen Stars der sog. Attitude Era. Als Wrestling eben noch so war, wie man es sich auch als Ausländer immer vorgestellt hat. Was waren das noch für unbeschwerte Zeiten … (ich muss aufhören mich zu wiederholen).

Texas – flat & like San Fran

In Texas angekommen bestätigt sich das, was man über diesen Ort so sagt: Texas ist flach, aufgeschlossen und selbstbewusst. Viele Texaner sehen sich als die neuen Sterne am Startup-Himmel. Sie meinen die Zeit ist reif, um San Francisco den Rang abzulaufen:

Texas is very flat and democratic like San Francisco. We have „futurelogicalist“ (or was it futurologist?) and very delicious food.

US-Teilnehmer der WKO Austrian Delegation 2022

Die Reise wurde von der AUSSENWIRTSCHAFT der WKO perfekt organisiert. Die Zeit nach den übertriebenen Reisebestimmungen wurde sehnlichst von der großen Delegiertengruppe, bestehend aus 80 Teilnehmer*n aus Österreich, erwartet. Entsprechend groß war auch der Drang, gemeinsam die größte und wichtigste Digital-, Innovations-, Kreativ- und Zukunfts-Messe der Welt – die South by Southwest – zu erleben. Die SXSW vereint Festival, Konferenz und Fachausstellung im Bereich Musik, Film und interaktive Medien.

SXSW Topics

No code mindset

Eine meiner ersten Konferenzen war „No Code, No Worries: The Future of No Code Tech“. Das Resümee dieser Gruppe ist erschreckend und beruhigend zu gleich:

„No code companies will transform work as we know it. Programmers and non-programmers grow and scale their companies without ever writing a single line of code!“

Und weiter: „Visual development software has it’s limitations but makes it easier. It’s not just a toy – everyone can use it. Logical thinking … empower the people … the translation layer goes away … means solving the problems different!

Coders vs non-coders … grammar vs no grammar … more and more companies are starting their tech tools: let’s do it ourselves! Because more is possible now – and build tools themselves to build something that no one have build before.

Provocative Predictions

Eine Keynote zum Thema „Provocative Predictions“ war von Scott Galloway. Er sagt in einer ernüchternden Art und Weise voraus, dass sich Statussymbole von materiellen Dingen wie Brillen, Kleidung, Uhren eindeutig Richtung Passion wie Kino-Filme oder Fußball hinbewegen.

Zum Thema Web 3 meint er unverblümt, dass das was versprochen wird, nicht das ist was man bekommt: dezentralisiertes Internet + der Bruch mit den Big Players (Apple, Google, Meta) + dem Vorteil der Blockchain = soll bedeuten „Power to little people“. Doch was es wirklich bedeutet, lässt sich als eine User Story festhalten:

As a Crypto bro
I want to tell everyone we are taking back control from the evil wealth-driven ultra-rich
So that I too may become ultra-rich.

Er behauptet weiters, dass Meta und Facebook eigentlich schon tod ist (habe ich jetzt so drastisch formuliert, waren nicht seine Worte), was der Unterschied zwischen einer normalen App und einer Super App ist und warum Mexico City mit 22 Mio. Einwohnern das neue New York City wird.

Non-obvious Megatrends

Es geht um Miss-Leadership in der Pandemie und generell. Schlechte Politiker und Bosse mit wenig bis gar keiner Führungskompetenz aber viel Egoismus führen die Gesellschaft in Missgunst. Weiters gibt er Auskunft darüber, warum die meisten Führungskräfte immer wieder falsch liegen und welche fatalen Auswirkungen dies auf das Unternehmen, die Organisation oder die Gesellschaft hat.

The people who understands the people always wins.

Rohit Bhargava

Lean back experience. Slides.

You think more consume is the solution? You can’t get smarter by consuming everything!

Rohit Bhargava

Erkenntnisse aus den USA

#nobra Trend

„Fuck bras!“ – „Scheiß auf BHs, die sind überbewertet!“ – davon sind viele junge Amerikanerinnen überzeugt. Sie verlassen sich auf das elastische, natürliche und komplexe Brustgewebe, dass von Natur aus keine Unterstützung benötigt. Zumindest behaupten das viele junge Texanerinnen und immer mehr sehen den Büstenhalter als eine künstliche, nicht notwendige Unterstützung, die den Busen zwar im BH formt, aber die natürliche Haltung schwächt und deformiert. Als emanzipierter Mensch kann ich mit diesem #nobra Movement sehr gut umgehen und bin auch dem NO BRA CLUB beigetreten.

Anti Body Shaming

Auch die Anti Body Shaming Einstellung junger US Citizens gefällt mir gut. Egal wie groß, lang oder schlank deine Dinge oder du selbst bist: es urteilt keiner über dich – es ist scheiß egal, wie du herumläufst und wie du daherkommst, solange du nur respektvoll und bemüht mit anderen umgehst.

No gender / fuck gender!

„Scheiß auf Gendern“ – für viele junge Amerikaner*n ist das Geschlecht schon überall zweitranging. Man sieht das auf Toiletten, in den Bars, bei Vorträgen und der gewöhnlichen Sprache: etwas extra zu gendern, damit sich jede/r/s angesprochen fühlt, ist absolut rückständig, weil das Geschlecht ja eh nur zweitranging ist. Das Gendern steht somit dem Zeitgeist entgegen. Eigentlich witzig, dass genau Europa (vor allem Deutschland und Österreich) denkt, mit dem ideologischen Gendern eine wichtige Vorreiterrolle einzunehmen, aber genau damit (wieder einmal) Rückständigkeit und unzeitgemäßes Denken beweist.

Sex still sells

Auch das weltweit größte Digital-, Innovations-, Kreativ- und Zukunfts-Messe kann nicht ohne Sex durchgeführt werden. Also zumindest dem Thema Sex. Egal bei welchem Vortrag (es waren nicht allzu viele), überall das gleiche Bild: die angebotenen Räume zum Thema Sex waren immer zu klein – oder die Teilnehmer einfach zu viel. Es wurde vom „success beat of communication“ geredet, ich habe dazu den Hashtag #sexess erfunden, aber noch nichts gemacht damit ;). Und auch das Age wurde angesprochen: eine 40-Jährige ist „30 years with 10 years of experience“. Soso …